Inhalt von fernsehen der ddr

Dieser Link beinhaltet in Form eines Archivs die Gastbeiträge zu den Hintergrundinformationen rund ums DDR-Fernsehen, wie sie seit März 2021 schon auf der Titelseite präsentiert wurden. Alle bisherigen Artikel sind hier noch einmal nachlesbar; es ist mit dem Autor derer geplant, diese Rubrik in der vor uns liegenden Zeit ständig zu erweitern.

Meister Briefmarke und Handpuppen kommen dazu - Der Schneider aus dem Märchenland (3)

08.10.2021

Ich komme aus dem Märchenland, schnibbel-die-schnabbel-die Scher', bin allen Kindern wohlbekannt und reiste weit umher. Die schönsten Märchen kenne ich und alle, alle Kinder freuen sich, schnibbel-die-schnabbel-die Scher', auf Meister Nadelöhr! So sein Auftrittslied. Darsteller Ekke Friedrichson stiftete virtuos beste Laune, die durchs dicke Bildröhrenglas mühelos zu den Familien drang. Augenzwinkernd konnte er wunderbar auf die Spielpartner eingehen: Am Anfang die lebenden Kararienvögel Zwirnchen und Röllchen. Dann kam der von Heino Winkler (1912-56) gespielte Meister Briefmarke dazu und in Form einer Handpuppe der Bär Bummi, geführt und gesprochen vom Pittelplatsch-Spieler Heinz Schröder (1928-2009). Und im Winter der Schneemann Eimerhut alias Willi Scholz (1930-2003), der draußen vor dem Fenster ausharrte und nur kurz in die Schneiderstube trat, weil sonst die Erwärmung, also das Schmelzen drohte.
M. Th.

Ein Filou aus Wernigerode  -  Der Schneider aus dem Märchenland (2)

07.10.2021

Der 1930 in Wernigerode geborene Friedrichson bringt in die Rolle des Meister Nadelöhr seine ganze Spielfreude ein. In der Familie eines Bauingenieurs war Eckart - mit elf Jahren an Diabetes erkrankt - ein Sorgenkind geworden; musste regelmäßig Insulin spritzen. Zu Kriegsende kaum zu bekommen. Die Familie opfert viele Wertsachen, um das Medikament auf dem Schwarzmarkt zu kriegen. Tapfer seiner Krankheit trotzend, begeistert sich Eckart schon mit 15 fürs Theater. Bei einer Freilicht-Aufführung verspricht er, die noch fehlenden Dekorationsstücke zu beschaffen. Seine Eltern bestellt er weit vor Beginn der Vorstellung ins Theater, damit die Truppe Zeit zum Räumen des Wohnzimmers hat. Verwundert sehen die Eltern dann ihre Möbel auf der Bühne. Aber natürlich auch ihren talentierten Sohn, der am Quedlinburger Theater erste Ausbildung bekommt. Friedrichson ist ein darstellerisches Quecksilber, respektlos und frech.
M. Th.

Zwischen Grimms und Gottfried Keller: Meister Nadelöhr – Der Schneider aus dem Märchenland (1)

06.10.2021

Auch beim Finden einer Leitfigur fürs Kinderprogramm beweist der DFF guten Instinkt. Dem Grimmschen Fundus entleihen sie Das tapfere Schneiderlein. Witzig, mutig, wortgewandt, sympathisch. Mit dem 25jährigen Eckart Friedrichson, der sich an Theatern und bei der DEFA komödiantisch schon bewiesen hat, in einer Idealbesetzung. Am 23.11.1955 beginnt Meister Nadelöhr erzählt Märchen. Ein Schneider, wie aus Kellers Kleider machen Leute entsprungen, sitzt in einer Biedermeierstube auf dem Tisch, erzählt, singt und entlockt seiner Elle Gitarrenklänge. Später kommt ein Handpuppen-Ensemble dazu: Bär, Ente und Kobold. Auf den ersten Blick etwas gestrig, bietet dieses Sujet doch über 21 Jahre weitgehenden Schutz vor agitatorischen Ansprüchen der Pionierorganisation und erzieherischen Zugriff der Volksbildungsministerin. Lediglich den Bären Bummi wechselt man nach zwanzig Jahren in Referenz zur UdSSR gegen einen Mischka aus.
M. Th. 

Toelcke-Krimis – Markenzeichen einer deutschen Fernsehepoche

18.09.2021

Die Sensation: Ein Schauspieler, der schreiben kann und seine eigene Rolle kreiert! Als Detektiv Weber spielt sich Werner Toelcke in die Herzen der Zuschauer. Dr. Günter Kaltofen ist der von ihm geschätzte Dramaturg. Toelcke darf sogar in seiner Heimat Hamburg drehen. Tote reden nicht (1963), Er ging allein (1967), Tod im Preis inbegriffen(1968), Botschafter morden nicht (1971), Ein Mann der sterben muss (1972) - seine Krimis kommen ins Kino, erscheinen als Taschenbuch. Es geht 12 Jahre gut, dann muss Weber sterben. Der Privatdetektiv passt nicht mehr zum Bild der BRD, das man in Adlershof zeigen will. Als Mitglied des dortigen Darstellerensembles bekommt Toelcke kaum noch Rollen, schreibt Romane und reist 1984 nach Schleswig-Holstein aus, wo er der Kinderarztpraxis seiner Frau zur Seite steht. Ab 2012 erlebt er, dass seine DFF-Straßenfeger bei Studio Hamburg auf DVD erscheinen und stirbt 87jährig im Oktober 2017.
M. Th.

Der Schauspieler, der glänzende Detektiv-Krimis schreibt: Werner Toelcke  (1930-2017)

17.09.2021

1930 in Hamburg geboren, kommt er der Bombenangriffe wegen mit seinen Eltern 1943 nach Glauchau, wo er zur Oberschule geht und erste Bühnenauftritte hat. Mit 15 steht der Berufswunsch Schauspieler fest. 1949-52 studiert er in Weimar, Belvedere am Deutschen Theaterinstitut. Es folgen Engagements nach Magdeburg, Erfurt, Dresden, Berlin. Weil die Weihnachtsmärchen so miserabel sind, schreibt Toelcke selber eins: „Peter Petz“. Uraufführung 1956 in Meiningen. Der dortige Dramaturg Ottomar Lang wechselt zum filmhungrigen DFF. Er kennt Toelckes Schreibtalent, lässt nicht locker. Die Mauer hatte Toelcke von seinem geliebten Hamburg abgeschnitten. Und so schreibt er den Zweiteiler „Tote reden nicht“ (1963). Knackiger Dialog, spannender Plot. Wie bei R. Chandler und D. Hammet. Eine Idealgestalt ist geboren: Weber - ein Kriminalassistent, der Privatdetektiv wird. In Hamburg. Die Rolle schreibt sich Toelcke auf den eignen Leib.
M. Th.

Ein Solitär am Fernsehhimmel: Ellen Tiedtke – frech, schlagfertig, charmant!

15.09.2021

Als die bebrillten hübschen Augen der Assistentin Viktoria des Hamburgers Privatdetektivs Weber in Werner Toelckes Zweiteiler „Doppel oder nichts“ 1964 auf dem Bildschirm erschienen, lag die dazugehörige Stimme gerade als AMIGA-Single auf vielen Plattentellern: Nach Manfred Krug mit „Rosetta“ folgt „Fahr' doch allein Karussell“ Mit Ellen Tiedtke! Ein Ausnahmetalent, das vom Cottbuser Theater via Leipziger „Pfeffermühle“ zur „Distel“ nach Berlin kam und Gustav Müller sekundierte bei: „Da hat vor 50 Jahren noch keener dran gedacht!“ Und 1983-91 war sie „Ellentie“ in der Kindersendung des 2. Programms, mit der sie zweimal Publikumsliebling wurde. Ihr Ehemann Helmut Schneller, Distel-Hausautor und Sohn des KPD-Funktionärs Ernst Schneller, entzog sich der Prominenz mit dem Pseudonym „Hans Rascher“. Und Brigitte Reimann schrieb von der Tiedtke bezaubert in ihr Tagebuch 1961: „Mein Gott, man könnte lesbisch werden!“
M. Th.

Sendeunfall der Historie - „Rote Bergsteiger“ im August 1968 zur Besetzung der CSSR

11.09.2021

In Juni '68 starten 13 Folgen „Rote Bergsteiger“ auf bestem Sendeplatz: mittwochs 20 Uhr: Reißerischer Vorspann: 23 Takes in 67 Sek. Mit Tempo bildschirmgerecht gedreht: gute Groß- und Naheinstellungen, expressive Nachtszenen, die Stärken des S/W-Films herauskehrend. Spannende Handlungsstränge zwischen Gestapo und antifaschistischem Widerstand: Die jungen Gesichter späterer TV-Stars wie Ezard Haußmann, Sigrid Göhler oder Dieter Bellmann. Gegen Klischees besetzte Nebenrollen: Hannjo Hasse mal nicht als Schurke. Der als Proletarier übliche Johannes Wieke auf Gestapo-Seite. Wie auch Alexander Papendieck, H.-J. Preil oder Walter E. Fuß („Professor Flimmrich“). Nur dass diese Serie über die deutsch-tschechische Freundschaft unter Kommunisten auch noch beim Einmarsch der Sowjettruppen in die CSSR lief, war nicht geplant, wirkte absurd. Mit Gründung der neuen eigenen Abteilung Serie 1967/68 muss das Studio Halle dieses Genre einstellen.
M. Th.

Halles dritter Versuch der Serie gilt als Wurf – Bei Medienhistorikern und dem Publikum

10.09.2021

Das kleine Studio Halle hat alles parat: Den charismatischen Schauspieler Hans-Edgar Stecher für den VP-Hundeführer, mit Gerd Focke einen erfahrenen Autor und mit der leichteren Technik des 16mm-Films endlich die Chance, vor Ort selber eine Serie drehen zu können. Aber „Harras, der Polzeihund“ stößt auf Ablehnung. Nur 3 von 8 produzierten 25-Min.-Folgen werden 1967 gesendet, weil sie vorgeblich ein zu düsteres Bild der 'sozialistischen Menschengesellschaft' zeigten. Mit „Rote Bergsteiger“, der nächsten, ersten 13folgigen Serie, sind solche Vorwürfe ausgeschlossen. Es geht um antifaschistischen Widerstand 1933-36 in der Sächsischen Schweiz. Der Regisseur Willi Urbanek kommt vom Dokfilm, wo man immer an Orginalschauplätzen zu drehen und improvisieren versteht. Er filmt in Halle und um Bad Schandau, dessen Kino man mietet, um das gedrehte Material gleich sichten zu können, wenn es per Kurier aus dem Kopierwerk zurückkommt.
M.Th.

Die erste DFF-Serie „Hannes Scharf“ - Das Lehrgeld eines neuen Genres wird gezahlt

09.09.2021

„Hannes Scharf“ weist viele Mängel eines Pilotprojektes auf. Nur wenige der 10 Folgen finden die Balance zwischen Klamotte und sozialkritischer Historie, wie sie bei „Der Kapitän vom Tenkesberg“ (13 TV-Folgen/ Ungarn 1963) oder „Mir nach Canaillen“ (DEFA 1964) gelungen war. Immerhin, das Duo Peter Sindermann und Hilmar Baumann lässt es an artistischen Fecht- und Faustkämpfen, waghalsigen Sprüngen und Kletteraktion nicht mangeln. Kameramann Otto Merz liefert unverbrauchte Szenerien und die Musik von Georg Katzer die passende Temperatur. Neben Stars wie Marianne Wünscher, Helmut Schreiber gibt es neue Gesichter und originelle Besetzungen mit Hans-Joachim Preil oder Johannes Frenzel von den „Vier Brummers“. Wiederholungen erlebt diese in Adlershof ungeliebte Initiative des Studios Halle nicht. Aber das Prinzip Serie beim DFF ist nun nicht mehr zu stoppen. Peter Sindermann kommt mit 32 Jahren 1971 beim Flugsport ums Leben.
M. Th.

Der Startschub für Serien ist beim DFF privater Natur und kommt aus Halle/Saale

08.09.2021

Als der spätere SED-Funktionär Horst Sindermann nach 10 Jahren Zuchthaus und KZ 1945  heimkehrte, heiratete er seine Dresdner Schulfreundin Inge, die zwei Söhne von dem Schauspieler Hans Siegert in die Ehe mitbrachte. Einer davon, Peter Sindermann, studierte 1958-61 an der Filmhochschule Schauspiel, kam 1963 ans Theater Halle, hatte Glück, dass sein Stiefvater zu dieser Zeit 1. Sekretär des Chemie-Bezirks wurde und ein DFF-Studio hierhin haben wollte. Stiefsohn Peter hatte zusammen mit Hilmar Baumann studiert und sorgte dafür, dass per Fingerzeig des Vaters eine Mantel-und-Degen Fernseh-Serie für das Duo der 27jährigen geschrieben wurde: „Hannes Scharf“. 10 Halbstunden-Folgen in der Regie von Karlheinz Carpentier. An der Saale damals noch nicht mit eigenem Dampf möglich, aber das Studio beauftragte mit Vaters Rückenwind die DEFA. Wenig Atelieraufwand, viele Außendrehs zwischen Kap Arkona, Harz, Merseburg und Wettin.
M. Th.

Im Sog der Serie – Der DFF muss sich sputen

07.09.2021

Welche starke Resonanz Mehrteiler erreichten, bewiesen DFF-Titel wie „Flucht aus der Hölle“ (4 Teile/ 1960), „Tempel des Satans“ (3 T./ 1962) oder „Das grüne Ungeheuer“ (5 T./ 1962) . Jeder Teil hatte nahezu Spielfilmlänge und bedeutete hohen finanziellen Aufwand. Bei „Die Spur führt in den 7. Himmel“ (5 T./ 1963) konzipierte man schon auf nur je 50 Min. Oft kamen diese Publikumsrenner in Kompaktversionen auch ins Kino. Aber am Bildschirm konnten sie die Zuschauer 'nur' für 3-5 Abende bannen. Westliche Formate arbeiteten bereits mit Längen von nur je 25 Min. dafür aber mit 13 Folgen, für die bei Erfolg weitere 13er Staffeln dazukamen. Solche Serien ergaben bei ähnlichem Aufwand viel mehr Publikumsbindung, brauchten aber ganz andere Dramaturgien und Produktionsweisen. Für den DFF begann die Ära eigener Serien am 1.1.67, 16.05Uhr  mit 10 sonntäglichen Folgen „Hannes Scharf“ und mit der Gründung einer extra Abteilung.
M. Th.

Der Fernsehhunger nach Geschichten – goldene Zeiten für Autoren, harte Jahre für Dramaturgen

02.09.2021

Wie groß der Programmbedarf des DFF ist, zeigt das Kalenderjahr 1960. Für DEFA und Kinos mit 20 Spiel- und 4 Kinderfilmen ein durchaus properes Jahr. Für den Bildschirm dagegen werden 57 Fernsehspiele, 8 Fernsehfilme, 14 Kurzspiele und Dutzende Kindersendungen produziert. Autoren gibt die sprunghaft angestiegene Nachfrage an Stoffen viele Chancen. Aber Filmszenarien und Fernsehspiele mediengerecht zu schreiben, stellt hohe handwerkliche Anforderungen und verlangt erfahrene Dramaturgen zur Seite. Und die waren knapper noch als Autoren. Christa Vetter, seit 1956 beim Hörspiel tätig, wechselt 1962 nach Adlershof. Sie bringt Günter Kunert und Franz Fühmann zum DFF. Unter ihren Erfolgen z.B. 1965 der Fernsehfilm „Köpfchen, Kamerad“ nach Fühmanns im Aufbau-Verlag erschienen Krimi-Bändchen „Spuk – Aus den Erzählungen des Polizeileutnants K.“ mit Horst Kube und Fred Delmare und ab 1966 die Reihe „Erlesenes“ von Kurt Bortfeldt.
M. Th.

Ein Unfall, zwei Tote – die „tele-BZ“ trauert 

16.08.2021

Mit Günther Haack und Manfred Raasch verlor der DFF im Juni 1965 nicht nur für die „tele-BZ“ zwei junge Protagonisten. Haack galt als „Gérard Philipe des Ostens“, Raasch war ein Sänger mit Charisma. Beide probten in Bitterfeld für eine Fernsehsendung, waren in Leipzig im „Astoria“ untergebracht und nutzten das Angebot eines Kollegen, statt in den Bus in dessen PKW einzusteigen. Bei Gewitter krachte das Auto nahe Zschortau an einen Baum. Haack starb mit 36 Jahren, Raasch mit 33. Fahrer und zwei Schauspielerinnen überlebten. 1958 hatte Haack mit seinem Wartburg und 2,4 Promille in Berlin einen Arbeiter totgefahren und Fahrerflucht begangen. Staranwalt F. K. Kaul übernahm Haacks Verteidigung, was ihm die Öffentlichkeit übelnahm. Die Strafe waren – Haack hatte Vorfahrt – 'nur' 2,5 Jahre Haft, die er 8 Monate verkürzen konnte, da er sich für Bergwerksarbeit meldete. Nun war er selber das Todesopfer eines Unfalls.
M. Th.

Kalter Krieg per Kabarett – „tele-BZ“

14.08.2021

Als dieses Satiremagazin für West-Berlin 1959 startete, flüchteten monatlich Zehntausende Leute aus dem Osten per S-Bahn gen Bahnhof Zoo und man mochte nachvollziehen, warum diese Sendung mit geballter Kabarettrezeptur zum Anschwärzen des Kapitalismus im DFF-Vorabendprogramm platziert wurde. Aber nach dem Mauerbau 1961 und Jahre später mutete es immer seltsamer an, dass man sich zwischen Saßnitz und Zittau jeden Samstag Spottlieder und Sketche ansehen sollte, die das Klein-Klein zwischen Funkturm, Gedächtniskirche und KadeWe parodierten. Zumal niemand in der DDR die Berliner Zeitung „BZ“ des Ullstein-Verlags zu lesen bekam, auf deren Schlagzeilen, Berichte und Horoskope sich die „tele-BZ“ bis ins Jahr 1971 ständig bezog. Sehenswert machten die Sendung die agierenden Kabarettisten: Gerd E. Schäfer, Helga Hahnemann, Günther Haack, Ingeborg Krabbe, Edgar Külow, Ingeborg Nass, Manfred Raasch oder Werner Troegner.
M. Th.

Rare Ware – Der MAZ-Engpass des DFF

06.08.2021

Live-Sendungen des Fernsehens aufzuzeichnen war bis ca. 1960 nur mit einer Filmkamera (meist 16mm) möglich, die einen Bildschirm abfilmte. Der Zeilenabtastung halber drehte man nicht mit kinoüblichen 24 Bildern/Sekunde, sondern mit 25. Und alles musste ins Kopierwerk. Um elektronisch aufzeichnen zu können, bedurfte es 2 Zoll (5,08cm) breiter Magnetbänder, die mit 38cm/s Geschwindigkeit liefen und von einer mit 240 Umdrehungen pro Minute rotierenden Trommel von vier Magnetköpfen bespielt worden. Diese ab 1956 in den USA eingesetzten Video-Bandmaschinen der Fa. Ampex standen auf der CoCom Embargo-Liste und durften nicht ins Lager der Sowjets geliefert werden. Über Schleichwege kamen 1962 drei dieser MAZ-Geräte dennoch zum DFF. Und das Rundfunktechnische Zentralamt baute ab 1964 eine DDR-Variante. Aber die 2-Zoll-Bänder mussten dennoch importiert werden. Eine solcher Spulen (15kg) für ca. 50 Min. kostete über 1.000 DM.
M. Th.

Blüthner, Blaufuchs, Kaviar – „Kessel“ und „Musike“ auf der Jagd nach West-Prominenz

28.07.2021

Sechs Mal pro Jahr wurde ab 1972 samstagabends „Ein Kessel Buntes“ angesetzt; alternierend mit „Da liegt Musike drin“ – der Estrade mit Rainer Süß, die bereits seit 1968 produziert wurde. Um den „Kessel“ mit West-Stars zu veredeln, hatte Honecker via Finanzminister zusätzliche Valuta-Mittel bereitgestellt, wobei meist eine Hälfte der Gage in harter und die andere in DDR-Währung gezahlt wurde. Mit fünfstelligen Summen in DDR-Mark wussten jedoch viele westliche Künstler nichts anzufangen. Äquivalente mussten her: Meißner Porzellan. Oder für Udo Jürgens und für Katja Ebstein je einen Konzertflügel der Leipziger Pianofortefabrik Julius Blüthner. Heinz Quermann, dem für 'sein' „Da liegt Musike drin“ kein extra Valuta-Budget zur Verfügung stand, hatte seit eh und je findige Lösungen ausbaldowern müssen: Einen russischen Blaufuchs-Pelz für Freddy Quinn oder 40 Dosen Malossol-Kaviar für die „Olsenbande“ inklusive Manager.
M. Th.

Waschmaschine, Außenseiter und Liebe  – die Adlershofer Renovierung 1971/72

27.07.2021

Nachdem Honecker und Breshnew Ulbricht zum Rücktritt per 3. Mai 1971 genötigt hatten, setzte der DFF nach dem 8. SED-Parteitag mit dem „Polizeiruf 110“ am 27. Juni ein erstes Zeichen für ein attraktiveres Programm. Im Jahr 1972 wurden gleich mehrere solche Signale gesetzt: Am 29. Januar die 1. Ausgabe von „Ein Kessel Buntes“ (118 Folgen bis 1991), am 4. März „Mit Lutz und Liebe“ sowie am 18. Juli mit dem Start von „Außenseiter - Spitzenreiter“. Da trug der „Deutsche Fernsehfunk“ (DFF) bereits seinen per 11. Februar 1972 renovierten Namen: „Fernsehen der DDR“. Einer, den man zu diesen Auffrischungen extra nach Adlershof beordert hatte, war der vormalige Chefredakteur der „Jungen Welt“, Horst Pehnert, damals 39 Jahre alt. Eines Abends entschuldigte er sich aus dem Konzeptions-Gremium mit den Worten: „Ich muss mal einen Kessel Buntes waschen“ – einer Redensart, die im Prozess der Titelfindung schließlich obsiegte.
M. Th.

Die „Vierer-Bande“ des DFF okkupiert den Bildschirm

14.07.2021

Die filmischen Projekte, von langer Hand auf Kiel gelegt, wenn Jubiläen oder SED-Parteitage nahen, werden ab Mitte der 60er Jahre immer gigantischer. Aufwändige Mehrteiler. Ein neues Genre wird geboren: Der Fernsehroman. Vier Autoren bringen sich besonders massiv in Stellung: Karl Georg Egel („Dr. Schlüter“, „Ich - Axel Caesar Spinger“, „Begegnungen“); Gerhard Bengsch („Irrlicht und Feuer“, „Krupp und Krause“, „Eva und Adam“); Benito Wogatzki; („Meine besten Freunde“, „Die Zeichen der Ersten“, „Broddi“) und Helmut Sakowski („Wege übers Land“, „Die Verschworenen“, „Daniel Druskat“). Da werden die Möglichkeiten für andere Autoren drastisch knapper. Und die Gerüchte um Honorare und Privilegien der erwählten Schreiber immer üppiger. Im Schriftsteller-Verband rumort es ob dieser „Vierer-Bande“ – ein geschickt gewähltes Schmähwort, das aus dem fernen China unter Mao Zedong kam und beides barg: Spott und Verurteilung.
M. Th.

Uwe Johnson schreibt für den Abdruck des DFF-Programms in der Bundesrepublik

06.07.2021

Abschreiben der West-Vorschauen war im Osten 30 Jahre Usus. Weil man in der DDR-Presse keine Zeile zum ARD-Programm fand, startet der Springer-Verlag 1960 einen Abdruck-Boykott der DFF-Sendefolge. Zum Ärger der ca. 700.000 West-Bewohner, die am Adlershofer Programm interessiert waren. Der 1959 von Leipzig in den Westteil Berlins übergesiedelte Schriftsteller Uwe Johnson, dessen Werk in der DDR verboten war, schließt 1964 mit dem „Tagesspiegel“ den Vertrag: „Wenn ihr das Ostberliner Programm druckt, dann rezensiere ich euch das“. Seine Artikel machen vom 4.6. bis 3.12.1964 im Westen politische Furore und brechen den Bann. Die Resonanz beim Publikum ist schmal. Selbst als Johnson zum Test den von ihm erfundenen Schwindel einbaut, der DFF habe am 12.8.1964 den Beatles-Film „Yeah!, Yeah!, Yeah!“ gezeigt. Johnson entschuldigt sich für den Bluff. Seine letzte TV-Kritik lobt Werner Toelckes Krimi „Doppelt oder nichts“.
M. Th.

Das Jahr 1959: Der DFF hat einen Lauf

30.06.2021

Wie in keinem anderen Jahr laufen 1959 viele neu entwickelte Sendungen an, die staunenswert langen Bestand haben: Im Kinderprogramm debütiert nicht nur „Adi“, dessen „Mach's mit, machs nach, mach's besser!“ bis 1991 laufen wird – im bereits existierenden „Abendgruß“ beginnt am 22.11. das legendäre „Sandmännchen“! Auch Walter E. Fuß als „Professor Flimmrich“ (bis 1980) und Jiří Vršťala als „Clown Ferdinand“ gehen auf Sendung. „Zu Besuch bei Prof. Dathe“ etabliert eine beliebte Tiersendung. Heinz Quermann gelingt nicht nur mit der Talente-Sendung „Herzklopfen kostenlos“ ein Treffer, sondern setzt mit „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ eine alljährliche Kultsendung in die Welt. Und mit Bruno Carsten als markiger „Hauptmann Wernicke“ startet die in 29 Folgen bis 1968 laufende Krimi-Reihe „Blaulicht“. Alexander Papendieck und Horst Torka als korpulenter „Leutnant Timm“ – geben dem Ermittler-Trio auch humorvolle Konturen.
M. Th.

Adi – ein DDR-Vizemeister im Gehen schenkt  dem Jugendsport im Fernsehen Witz

28.06.2021

Besser hätte man es nicht haben können: Ein komödiantischer Spitzensportler, der eine Stunde spannendes Kinderprogramm präsentiert. Unter „Sport-Spiel-Spaß“ startet 1959 eine Live-Sendung, deren Moderator „Adi“ – DDR-Vize- und Mannschaftsmeister im 20-km-Gehen Gerhard Adolph – 22 Jahre alt ist. Ulbricht hatte gerade die Parole ausgegeben: „Jedermann an jedem Ort – jede Woche einmal Sport!“ Als Hallenser hat Adi ein flottes Mundwerk, als Geher im Olympia-Kader einen fitten Körper. 1960-63 studiert er Schauspiel an der Filmhochschule. Ab 1964 heißt es dann „Mach's mit, mach's nach, mach's besser!“ 333 Folgen mit Sport- und Wissenswettbewerben zweier Schulmannschaften vorm Publikum der Klassenkameraden. Dazu Slapstick-Einspieler von Adi, dessen tapsige Clownerien alle mögen. Nur Frau Honecker nicht. Der ist das zu viel Quatsch. Aber die Sendung läuft bis 1991 und ist - simultan übersetzt - populär bis in die UdSSR.
M. Th. 

Die Film-Schätze aus Berlin-Wilhelmshagen

22.06.2021

Um die Rumpelkammer-Auswahl zu treffen, begaben sich Willi Schwabe und Redakteure nach Wilhelmshagen, Fürstenwalder Allee 401 ins Staatliche Filmarchiv. Dort wurden die 8-10 schweren 300-Meter-Rollen eines Spielfilms per Projektoren an die Leinwand des Vorführkinos geworfen. Nach Auslösen der Bestellung, brachte ein Barkas die Filme nach Johannisthal, wo die 35mm-Streifen zum Abtasten in einen elektronischen Filmgeber eingelegt und zur Sendung eingestartet wurden. Das Prozedere betraf auch viele der anderen 900 Filme, die pro Jahr im Programm liefen. Das Filmarchiv stellte dem Fernsehen all die Dienstleistungen einzeln in Rechnung. Später einigte man sich auf eine Jahrespauschale. 1988 waren es 1 Million DDR-Mark. Und 1973 waren zwei solche Rollen aus den Wäschekörben im Transporter gefallen, dem auf dem Kopfsteinpflaster die Tür aufgesprungen war. Die Finder brachten das Filmgut zur Volkspolizei.
M. Th.

'Der gefilmte Brehm' - Der Dresdner Zoodirektor, Autor und Tierfilmer Professor Ullrich

18.06.2021

Die 1955 begonnene Sendereihe „Der gefilmte Brehm“ erlangte durch den charismatischen Dresdner Zoodirektor Wolfgang Ullrich rasch enorme Popularität. Der kundige Tierfilmer hatte zusammen mit seiner Frau Ursula von 1955-57 zwei Afrika-Reisen und 1959/60 zwei Indien-Safaris unternommen. Dabei entstanden so viele Aufnahmen, dass bereits 1960 die 50. Folge seiner Sendereihe gefeiert werden konnte. Zu diesem Jubiläum wurde aus Ulrichs Dresdner Wohnhaus übertragen, wo er seine Tier-, Afrika- und Indien-Bücher vorstellte und den verblüffenden Wunsch äußerste, am liebsten einen Abenteuerroman für junge Leute schreiben zu wollen. Das war ihm leider nicht vergönnt – er wurde nur 50 Jahre alt und starb 1973. Während man an den meisten Revers der DDR-Fernsehprominenz das SED-Abzeichen gewohnt war, trug Professor Ullrich das Parteiabzeichen des CDU-Blockpartei. Mit einer Taube als Symbol des heiligen Geists.
M. Th.

Die Rückeroberung des Montagabends

14.06.2021

Als die Macher des Adlershofer Versuchsprogramms 1953 glaubten, man könnte den Defiziten an sendbaren Filmen etwas begegnen, indem man jeden Montag fernsehfrei erklärte, gab es ganze 70 Fernsehgeräte in der DDR und Ulbricht hielt nicht viel von diesem Medium. Als drei Jahre später am 2.1.1956 die Versuchsphase beendet und das Programm des Deutschen Fernsehfunk (DFF) offiziell eröffnet wurde, waren es schon 13.600 und Ende 1958 bereits nahezu 300.000 angemeldete östliche Fernsehapparate. Der DFF war gegen die ARD in eine Schlacht um die Zuschauergunst geraten, in der man den Montagabend nicht mehr dem karierten Testbild und damit „dem Westfernsehen“ überlassen durfte. Der Erfolg der 1955 gestarteten „Rumpelkammer“ und die von den Sowjets inzwischen an das neu gegründete Staatliche Filmarchiv übergebenen Bestände der UFA ermöglichten ab November 1957 die „Montagsfilme“ mit Hans Moser, Marika Rökk und Heinz Rühmann.
M.Th.

Von der Wendeltreppe zur Rumpelkammer

13.06.2021

Bereits 1953-55 reichten die Kapazitäten für das Fernseh-Versuchsprogramm abendlicher 2,5 Stunden kaum aus. Auch wenn man sich von vornherein auf 6 Sendetage beschränkt und den Versammlungstag Montag für fernsehfrei erklärt hatte. Der Mangel brachte den Dramaturgen Peter Palm auf die Idee, ein Programm mit moderierten Filmausschnitten zu entwickeln. Arbeitstitel: „Die Wendeltreppe“. Zwar befanden sich die von den Alliierten beschlagnahmten Archive vor 1945 gedrehter Filme überwiegend auf Ost-Territorium, wurden aber von „Sovexport“ verwaltet. Als endlich ein vertraulicher Zugang zu den Bunkern östlich des Babelsberger Filmgeländes bestand, um erste Streifen zu sichten, fand man ein durch deutsche Eil-Evakuierungen und sowjetische Abtransporte chaotisch zerklüftetes Archiv vor. Palm ließ sich nicht abschrecken, änderte aber den Titel der am 13.12.1955 beginnenden Sendereihe in „Willi Schwabes Rumpelkammer“
M.Th.

Von Manfred von Ardenne bis Kati Witt – Zeitzeugen in: „Porträt per Telefon“

09.05.2021

Ein Mal im Monat wurde von 1969-90 das Zwei-Sessel-Podium für „Porträt per Telefon“ in das kleine Live-Studio geschoben, später auch die Hammondorgel von Hasso Veit oder ein Stutzflügel für den Pianisten Harry Heinze. Wirklich Zeit für Musik war in den 45 Minuten keine, aber der Sammlungspause für neue Fragen und dem finalen Gang zur Autogrammwand bekamen die Orgel- bzw. Klaviertakte gut. Von Manfred von Ardenne und Prof. Althaus über Helga Göring, Bernhard Heisig, Ulrich Mühe bis hin zu Kati Witt entstanden 254 Sendungen. Leider blieb die Bildaufzeichnung – erst recht die in Farbe – bis zum Ende der DDR die Achillesferse. Die nötigen 2-Zoll-Magnetbänder (später 1 Zoll breit) waren Importe und knapp. So wurden die MAZ-Bänder oft nur bis zur Wiederholung im 1. Programm aufbewahrt und aus Materialmangel wieder neu bespielt. Daher sind nur ein Bruchteil der historisch relevanten Fernseh-Porträts tatsächlich archiviert.
M. Th.

Renate Holland-Moritz und ihr „Kleener Russe“

08.05.2021

Auch wenn man beim DFF gern auf Nummer sicher ging – um alle publizistischen Sendungen vorproduzieren zu können, fehlten einfach die technischen Ressourcen und Studio-Kapazitäten. Deshalb war man froh, mit Heinz-Florian Oertel einen zu haben, dem man so eine tatsächliche Live-Sendung wie „Porträt per Telefon“ anvertrauen konnte. Um den beneidenswerten Status, dass ihm niemand in die Sendung reinredete, halten zu können, lässt Oertel, wie er nach den Wende offenbarte, in der Auswahl seiner Gäste Vorsicht walten: Eberhard Cohrs oder Eberhard Esche lud er z.B. nie ein. Zu unberechenbar! Als Renate Holland-Moritz zu Gast war und Oertel sie nach ihrer Freizeit fragte, berlinerte sie ihm entgegen: „Ach, da jeh ick jerne inne Kneipe aufn Bier und nen kleenen Russen!“ Oertel entglitt das Gesicht. „Na 'n Wodka, meen ick“, schob die Holland-Moritz nach – ahnend, dass sie seine Sendung live aufs Glatteis geführt hatte.
M. Th.

Die Talkshow vor Geburt des Genres – „Porträt per Telefon“ mit Heinz Florian Oertel

07.05.2021

Drei Wochen nach Start des Farbfernsehens und dem neuen 2. Programm kommt Dienstag, dem 28.11.1969, 20 Uhr mit „Porträt ohne Titel“ ein neues Format aufs Tapet: Ein unterhaltsames Live-Gespräch mit DDR-Prominenten, das unter „Porträt per Telefon“ 21 Jahre lang noch 253 Ausgaben (!) erleben wird. Heinz-Florian Oertel als charmanter reaktionsschneller Gastgeber, der namhafte Künstler, Wissenschaftler, Sportler, Ärzte etc. in Dialogform präsentiert, und die Zuschauer können per Brief oder Anruf ihre Fragen einbringen. Mit Werner Klemke als Gast gelingt eine amüsante verheißungsvolle Pilotsendung. Mit nur drei Kameras aus einem kleinen engen Studio. Die Kabinen zum Entgegennehmen der Anrufe dicht hinterm Podium. Oft dringt der Schall der Telefonistinnen in den Sendeton. Oertel wählt die Gäste aus, macht die Vorbereitung selber, 1 Aufnahmeleiterin, 1 Bildregisseur. Eine Talkshow lange vor der Geburt dieses Begriffs.
M. Th.

Nahe Verwandte: Hörspiel und Fernsehdramatik

29.04.2021

Bei Hörspielen, die das DDR-Fernsehen adaptierte, wird oft an die Familienserie „Neumann, 2x klingeln“ gedacht, die von 1968-83 in 678 Radiofolgen lief und auf dem Bildschirm 31 mal als „Familie Neumann“ (1984-86). Dass Hörspiele gute Geschichten für erfolgreiche Fernsehdramatik lieferten, belegen aber auch Stücke von Autoren wie Manfred Bieler („Die Hochzeitsreise“/„Drei Rosen aus Papier“), Joachim Nowotny („Galgenbergstory“/„Ein altes Modell“) und Gerhard Rentzsch („Aller Liebe Anfang“/ „Jugendweihe“). Das Fernsehen hat von Anbeginn auch personell auf Radioleute gesetzt: Regisseure wie Hans Knötzsch oder Edgar Kaufmann; Dramaturgen wie Horst Angermüller, Bernd Schirmer und Christa Vetter. Oder auch Hörspiel-Dramaturgen, die griffige Szenarien schreiben konnten: wie z.B. Alexander Kent alias Ludwig Achtel („Der Lumpenmann“) und Jochen Hauser („Familie Rechlin“).
M. Th.

Ein „Dialogwohltäter“ namens Rudi Strahl

26.04.2021

„Von Melodie zu Melodie“ hieß 1960-64 die monatliche Produktion des DFF, die am damals noch nicht arbeitsfreien Samstag gute Abendunterhaltung bot. Zwei Stunden live! Mit Schlager- und Operettenstars, Komikern, Fernsehballett sowie Christine Laszar und Gerry Wolff als Moderatoren, die durch Bezüge auf Ort bzw. Anlass den thematischen Faden vermittelten. Unter den Autoren der junge Rudi Strahl (1931-2001). Als sich einmal in Leipzig am Freitagabend zur Generalprobe gleich drei Solisten krank meldeten, wollte man die Übertragung abblasen. Aber Adlershof intervenierte. Man hatte keinen Ersatz; Strahl jedoch den rettenden Einfall: Er schrieb am Samstagvormittag Texte für die Gedankenstimmen zweier Pianisten. Eine neue Sendeform war geboren: „Zwischen zwei Flügeln“. Hinfort hieß Strahl der „Dialogwohltäter“. Damals lernte er Rolf Herricht kennen, der ihn auf die Film-Idee für: „Der Reserveheld“ (DEFA 1965) brachte.
M. Th.

Opa Eduard – ein Vorgänger des Rechtsanwaltes Liebling

22.04.2021

Mit "Liebling Kreuzberg" hat Jurek Becker (1937-97) eine legendäre Fernseh-Serie geschaffen – 45 Folgen lang von 1986 bis 1998 ein von SFB/NDR/WDR produzierter Beweis, dass Unterhaltung nicht trivial sein muss, dass geschliffene Dialoge den Zuschauern Vergnügen und keine Überforderung bedeuten. Geschrieben von einem, der erst mit 8 Jahren Deutsch zu lernen begann. Geistreiche Würdigung des bundesdeutschen Rechtsstaates aus der Feder eines Autors, der vormals 20 Jahre lang SED-Mitglied war. Kaum bekannt ist, dass nämlicher Autor unter dem Pseudonym Georg Nikolaus bereits 19 Jahre zuvor eine Serie von Familien-Komödien für den DFF geschrieben hatte. Die drei Stücke liefen 1967/68 mit den Titeln „Immer um den März herum“, „Mit 70 hat man noch Träume“ und „Urlaub“. Im Mittelpunkt stand kein hochdotierter Kreuzberger Rechtsanwalt, sondern der DDR-Opa Eduard. Den spielte nicht Manfred Krug sondern Walter Lendrich.
M.Th.

Fischkoch mit böhmischen Akzent – Rudolf Kroboth

17.04.2021

Seine Zubereitungsformel „Säubern, Säuern, Salzen“ hatte sich schnell verbreitet. Nur dass der schnauzbärtige Fischkoch so überhaupt nicht nach Waterkant klang, war seltsam. Rudolf Kroboth (1920-1986) sprach böhmischen Akzent, war in Bad Königswart aufgewachsen und nach dem Krieg über Bayern schließlich in der Lausitz gelandet, ehe er findiger Werbeleiter der VVB Hochseefischerei Rostock wurde. Immer dienstags in den „Tausend Tele-Tips“ liefen seine fünfminütigen Fischrezepte. Walter und vor allem Lotte Ulbricht bestärkten ihn. 606 Sendungen gab es von 1960 bis 1972, als weltweit Fischereischutzzonen eingerichtet wurden und die knapper werdende Fische nicht mehr extra beworben werden sollten. Kroboth widmete sich der Gastronomie und baute die von ihm initiierte, beliebte Restaurantkette „Gastmahl der Meeres“ aus, welche 1989 auf 33 Filialen angewachsen war. Die erste Gaststätte dieser Art war 1966 in Weimar eröffnet worden.
M. Th.

Kein Rummel, ein Star durch Charakter – Gunter Schoß  

14.04.2021

Bereits mit dem Bildschirmdebüt des aus dem Strafvollzug entlassenen Egon Brümmer in „Egon und das achte Weltwunder“ (1964) gewann der 24jährige gelernte Werkzeugmacher Gunter Schoß die Sympathien des Publikums und markierte ad hoc seine Persönlichkeit: Lässig, doch genau und konkret. Sehr ernsthaft; mit einem Stolz, der ihn verletzbar macht und bei Nichtachtung enorme Intensität generiert. Dazu eine kernig Stimme. In der Verfilmung des Hörspiels „Mein Vater Eddie“ (1968) erlebte der Autor Gerhard Rentzsch Gunter Schoß als sensible Idealbesetzung der Titelrolle. So begann eine seltene Autor-Darsteller-Arbeitsbeziehung auf Jahrzehnte. Für den sechsteiligen Hörspielroman „Das Amulett“ (1970) wie auch die dreiteilige Fernseh-Version „Aller liebe Anfang“ (1972) schrieb Rentzsch die Hauptrolle Gunter Schoß auf den Leib. Und noch 30 Jahre später den genüsslichen Erzähler seiner Hörspielminiaturen „Augenblickchen“ (1989-2001).
M. Th.

Ein Fallada aus Zerbst - Manfred Bieler

12.04.2021

Der Vergleich hinkt - bezeichnet aber die Tragik, dass der fabulierfreudige, lebensprall schreibende Manfred Bieler (1934 - 2002) heute fast vergessen ist und eigentlich auch einen Rang wie Hans Fallada in der Erzähltradition deutscher Zunge einnehmen könnte. Als Sohn eines Zerbster Baumeisters hatte der 1,93 m hohe Bieler nach dem Abitur in Dessau an der Humboldt-Uni Germanistik studiert. Mit ihm sein späterer Hörspieldramaturg Wolfgang Beck. Mit dessen Beistand gelang es Bieler, ab 1958 in nur 6 Jahren 10 (!) geistreiche Hörspiele in der DDR herauszubringen. Drei davon wurden rasch fürs Fernsehen adaptiert. 1965 heiratete Bieler nach Prag, von wo aus er nach dem sowjetischen Einmarsch 1968 gen München ausreiste. Mit dem Verbot von Bielers Roman und Film "Das Kaninchen bin ich" (1965) war eine Rückkehr in den Osten ausgeschlossen. Sein Familien-Epos "Der Mädchenkrieg" wurde 1977 ein enormer Bildschirmerfolg für die ARD.
M. Th.

Das Pathos der Ulbricht-Ära - Hans-Georg Ponesky

22.03.2021

Ihrer Stimme nach hätten sie sich doubeln können - Fernsehkoch Drummer, Radiomoderator Hansel ("Alte Liebe rostet nicht") und Spielmeister-Filou Hans-Goerg Ponesky (1933-2016). Alle drei sprachen baritonales Hochdeutsch mit sächsischem Akzent. In Ehrgeiz, Konzept und Pathos überragte der Dresdner Ponesky indes alle. Seine die Jahrestage feiernde Fernseh-Estrade "Mit dem Herzen dabei" (1964-68) verknüpfte die Revuebühne mit Live-Schaltungen zu Außenspielorten und zelebrierte die Pathetik der vermeintlichen sozialistischen Menschengemeinschaft ganz im Sinne Walter Ulbrichts. "Pony" - im Kollegenkreis "die blonde Träne" genannt - rettete sich in die Honecker-Ära, indem er Volksliedgut und passionierte Laienchöre für "Alles singt" (1976-91) aktivierte - hinter ihm die findige Gattin Dr. Karin Ponesky, die die Rezeptur auch in die Nachwendezeit und die Honorierung in harter Währung zu verlängern verstand.
M. Th.

Kurt Drummer – 22 Jahre: „Der Fernsehkoch empfiehlt“

21.03.2021

Die Hausfrauennachmittage, die Kurt Drummer als Chefkoch am „Erfurter Hof“ anbot, waren der Frauenredaktion des DFF zu Ohren und mit einer ersten Live-Übertragung 1958 auf den Bildschirm gekommen. Von 1961 bis 1983 gab es dann 14tägige Halbstunden-Sendungen aus der Fernsehküche im Ostseestudio Rostock. Mit 2000 Rezepten! Während im NWDR der Schauspieler Carl Clemens Hahn einen Fernsehkoch namens Wilmenrod mimte, war der in Gornsdorf/Erzgeb. geborene Drummer (1928-2000) ein echter Spitzenkoch und studierter Ernährungsexperte, der Öl statt Butter anpries. Als er 1983 die beliebte Samstags-Sendung nach 650 Folgen tragischerweise selber aufkündigte, war er erst 55 Jahre alt! Der Vertrag verpflichtete ihn, alle Zutaten selber beizubringen. Aber um in der Versorgungslage der DDR den banalsten Zutaten hinterherzutelefonieren, hatte er, wie er 1994 offenbarte, einfach nicht mehr die Nerven.
M. Th.

Juergen Schulz – zwischen Glitzerwelt und einer großen Erzählerin

10.03.2021

Als letzten Sommer der Fernseh- und Radiomoderator Juergen Schulz („Alles singt!“ und „Eine runde halbe Stunde“) mit 76 Jahren starb, nahmen viele seiner Verehrerinnen und Fans mit Erstaunen zur Kenntnis, dass dieser Mann der Schlager-Welt und heiteren Muse ein engster Vertrauter der Schriftstellerin Brigitte Reimann war, in die er sich 1969 in Neubrandenburg schwer verliebt hatte. In ihren gedruckten Tagebüchern bleibt er als „Juergen (geb. 1943), Journalist“ anonym im Hintergrund. Dabei gehörte er zu den raren Freunden, die sie bis zu ihrem frühen Tod, als sie 1973 im Alter von nur 39 Jahren starb, in der Klinik in Berlin-Buch treu besuchten. Er hatte ihr beim Schreiben von „Franziska Linkerhand“ beratend und Schreibmaschine tippend zur Seite gestanden und es immer wieder geschafft, sie mit seinen charmanten Frechheiten aufzuheitern.
M. Th.

Wolfgang Brandenstein – Conferencier ohne Aufdringlichkeit

06.03.2021

Dass der Ur-Berliner Wolfgang Brandenstein (*1929) nicht mit flottem Mundwerk triumphierte, sondern mit Ruhe, Lächeln und Teddybären-Timbre, wirkte Ende der 50er Jahre als Kontrapunkt zum quirligen Hannoveraner Heinz Quermann mit der Trompetenstimme. Brandenstein – ein radioerprobter Schallplatten-Kenner – überraschte mit Wortwitz und geistreichen Einfällen. Das kam nicht nur den Familien-Spielshows im Live-Fernsehen zugute – „Was darf's denn sein? fragt Wolfgang Brandenstein“ (1958-60) oder „Gesucht und gefunden“ (1960-62) – sondern auch Schlagerstars, für die er Erfolgstitel textete, wie z.B. den 'Jahrhundert-Hit' „Kinder, Kinder, ich hab' keinen Zylinder“, den Will Brandes gesamtdeutsch oder „Erna kommt“, den Lippi in Ost und Hugo Egon Balder in West populär machte. Die Musiken meist von Gerhard Siebholz und Arndt Bause. Über 200 Mal Qualitätsmarke: Text – Brandenstein!
M. Th.

Jutta Hoffmann und die Kamera – eine hochzeitliche Begegnung

26.02.2021

Den Anfang nahm dieses Verhältnis bereits bei ihrem ersten Auftritt vor Live-Kameras des DFF, als sie 17-jährig spontan in der Unterhaltungsendung „Was darf´s denn sein? fragt Wolfgang Brandenstein“ im Schkopauer Kultursaal der Chemischen Werke Buna mitwirkte – dem Betrieb, in dem ihr Vater Erich Buchhalter war; dem Haus, in dessen Laienspielgruppe sie spielte. An diesem Samstagabend am 11.10.1958 sollte möglichst viel Kleingeld auf die Bühne gebracht werden. Jutta Hoffmann kam mit einer Zigarrenkiste voll Pfennige und gewann. Brandenstein war von der schlagfertigen Abiturientin so begeistert, dass er sie für die nächste Sendung aus Rostock als Assistentin engagierte.
M. Th.

Geburtstage von Schauspielerinnen und Schauspielern der DDR

Geburtstage von Schauspielerinnen und Schauspielern der DDR im Monat
Januar.

  • 25.1. Hans-Georg Körbel (* 1948)
  • 25.1. Klaus Mertens (* 1929)
  • 25.1. Willi Neuenhahn (* 1928)
  • 25.1. Katja Paryla (* 1940)
  • 27.1. Horst Weinheimer (* 1930)

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Wiederholungen von DDR-Fernsehsendungen im privaten oder öffentlich rechtlichen Fernsehen

Wiederholungen von DDR-Fernseh- sendungen im privaten oder öffentlich-rechtlichen Fernsehen im Monat
Januar.
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